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Tägliche Informationen zu "JJ1", seit 10.Juni 2006
Nachdem
Braunbär ''JJ1'' trotz rund zwei Dutzend Fangversuchen nicht in die Falle
ging, haben Bayern und Tirol vereinbart, den Bären aktiv aufspüren zu
lassen und ihn möglichst lebend zu fangen. Zu dem Zweck haben Bayerns
Umweltminister Werner Schnappauf und sein Tiroler Amtskollege Landesrat
Anton Steixner einen Vertrag mit finnischen Bärenexperten geschlossen. Die
Bärenfänger wurden für einen Zeitraum von 14 Tagen beauftragt, mit fünf
speziell ausgebildeten karelischen Bärenhunden den Bär aufzuspüren und zu
fangen. Bayern und Tirol teilten sich die Kosten des Einsatzes.
In dem Vertrag mit den Finnen war ausdrücklich vorgesehen, zunächst
alle Anstrengungen darauf zu richten sind, den Bären zu stellen und zu
betäuben. Ein Abschuss war nur in einer Notsituation erlaubt. Die
finnischen Experten wurden begleitet von einem österreichischen
Betäubungsexperten der Universität Wien, einem Bärenanwalt der
Österreichischen Bundesforste sowie einem Bären-Experten der Universität
Freiburg. In Bayern übernahm der Bärenmanager Manfred Wölfl die
Koordination des Fangteams vor Ort.
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Datum |
Tägliche Informationen |
| Montag, 26.06.2006 (Stand 13 Uhr) |
Der Bär wurde heute um 4.50 Uhr früh von jagdkundigen Personen
auf der Kümpflalm etwa 200 Meter vom Rotwandhaus entfernt erlegt.
Unter Leitung des Landratsamtes Miesbach als der für die Sicherheit
zuständige Behörde war die Abschussmaßnahme in enger Abstimmung mit
Umwelt- und Innenministerium veranlasst worden.
Das Tier liegt nicht mehr vor Ort. Er wurde verbracht und wird
derzeit wissenschaftlich untersucht. Erfasst werden
Gesundheitszustand, Körpermaß und Gewicht, außerdem wird seine
Identität genetisch überprüft. Nach diesen Untersuchungen wird der
Bär präpariert und dem Museum "Mensch und Natur" übereignet werden.
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| Sonntag, 25.06.2006 |
Gegen 21.30 Uhr wird von der Kümpflalm, unterhalb des
Rotwandhauses, ein gerissenes Lamm gemeldet.
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| Samstag, 24.06.2006 |
Gegen 18 Uhr sahen drei Radler den Bären am Soinsee im
Rotwandgebiet. Sie machten auf sich aufmerksam, der Bär umging die
Gruppe und lief Richtung Großtiefenthal-Alpe. Er umging die Hütte in
20 Meter Entfernung. An der nahen Weide stellten sich 20 Jungrinder
im Kreis auf - mit ihren Schädeln nach außen (Verteidigungsring!).
Der Bär visierte daraufhin eine Schafherde im nahen Steilhang an.
Beobachtet von den Almbesuchern, lief er zielstrebig auf die
26köpfige Schafherde zu, die letzten 100 Meter rannte er den
Steilhang hinauf mitten in die Herde hinein. Er erwischte mehrere
Schafe, die jedoch wieder auskamen. Auf der Verfolgung hangabwärts
konnte er eines davon töten und hat sofort begonnen, das Tier zu
fressen. Mehrere Almbesucher näherten sich dem fressenden Bären bis
auf 40 Meter. Der Bär richtete sich auf und hat seine Beute
gesichert, ansonsten zeigte JJ1 keine nennenswerten Reaktion auf die
Annäherung der Menschen. Zwischendurch wechselte er zu einem nahen
Bachlauf, um zu trinken. Zwei Hobbyfilmer hatten dem Bären wohl auch
weiter nachgestellt, die Aufnahmen waren heute ausgestrahlt
worden. Die erneuerte artenschutzrechtliche Abschussgenehmigung
wurde am Samstag veröffentlicht und tritt damit am Sonntag (25.06.)
in Kraft.
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| Freitag, 23.06.2006 |
Bei der Verfolgung der Bärenspur, die noch Donnerstag nacht um
23 Uhr im Bereich Thiersee gemeldet wurde, war das Fangteam in den
Morgenstunden auf einen toten Schafwidder gestoßen. Die Spur des
Bären konnte jedoch nicht verfolgt werden. Das gesamte finnische
Fangteam reiste am Freitag ab, da nach dem letzten, äußerst
anstrengenden Einsatz ein komplettes Hundeteam nicht sofort wieder
zusammengestellt werden konnte. Schnappauf und Bernhard bedankten
sich für das außerordentliche Engagement der Finnen, der
österreichischen Betäubungsexperten und der ganzen
Unterstützungsmannschaft. Nur dank ihrer Bereitschaft war es
überhaupt möglich, dem Bären mit dieser weltweit noch nie
ausprobierten Fangmethode eine echte Chance zum Lebendfang zu
bieten. Um die Dimensionen der Herausforderung für das Fangteam noch
mal deutlich zu machen: Die Bärentruppe war 500 Kilometer zu Fuß in
gebirgigem Gelände abseits der Wege unterwegs, hat mehr als 10.000
Höhenmeter erklommen und mehrere Nächte im Freien oder im Auto
verbracht und zudem den Hunden 1.000 Stunden Schnüffelarbeit
abverlangt. Der Bär selbst hat in den letzen beiden Wochen mehr als
300 Kilometer zurückgelegt und eine Fläche von 6.000
Quadratkilometern durchstreift.
Nach rund zwei Dutzend gescheiterten Fangversuchen mit der
Röhrenfalle sowie zweiwöchigem Nachstellen durch das professionelle
finnisches Fangteam mit speziell ausgebildeten Hunden liegt nach
übereinstimmender Einschätzung aller Experten kein
erfolgversprechendes Fangkonzept mehr vor. Da der Bär ein
erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt wurden die
Abschussgenehmigungen in Tirol und Bayern erneut erteilt; in Bayern
erteilten die Regierungen von Oberbayern und Schwaben für die
Landkreise Bad Tölz, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, Rosenheim,
Weilheim-Schongau und Ostallgäu die artenschutzrechtliche
Ausnahmegenehmigung zum Abschuss.
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| Donnerstag, 22.06.2006 |
Um 8.10 Uhr beobachteten drei Wanderer am Pendling in der Nähe
des Kufsteiner Hauses einen Bären. Ein Teil des Teams hatte die
Hinweise vor Ort gesichert und die Fährte aufgenommen. Diese zog vom
Gipfel am Grat entlang nach Nordwesten. Eine Zeitlang folgte sie der
Forststraße und lief dann in die steile Westflanke hinein. Gegen 15
Uhr verliert sich die Fährte in dem felsigen Gelände. Die anderen
Teammitglieder, die die Nacht in der Schlucht der Steinberger Ache
verbracht hatten, konnten gegen 11 Uhr den vermissten Hund Jeppe
unverletzt bergen. Jeppe hatte den Bären am Vorabend gestellt und
war ihm in die Felswand gefolgt. Um 23 Uhr meldete die
Bezirkshauptmannschaft Schwaz eine Bärensichtung im Bereich
Thiersee. Das dort stationierte Fangteam hatte sofort die Fährte
aufgenommen.
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| Mittwoch, 21.06.2006 |
Am Mittwoch bekommt das Fangteam um 1:15 Uhr nachts Nachricht
von einer Sichtbeobachtung in Maurach am Südende des Aachensees.
Zwei Personen hatten den Bären durch den Ort laufen sehen und die
Polizei informiert. Das sofort verständigte Bärenteam hat die Spur
sehr schnell aufgenommen und sie bis zum Seeufer verfolgen können,
wo sie sich jedoch im Wasser verlor. Ein Absuchen der Uferbereiche
blieb ebenfalls ohne Ergebnis - es konnten keine Fährten oder Haare
gefunden werden. Trotzdem wird die Meldung als glaubhaft
eingestuft. Um 8 Uhr morgens erreichte das Fangteam die Meldung
von einem Schadensfall am Kaiserhaus bei Brandenberg. Dort konnten
eindeutig Bärenspuren und Haare sichergestellt werden. Der Bär war
in einen Hühnerstall eingedrungen, hatte eine Mülltonne umgeworfen
und in weiterer Umgebung zwei Bienenstöcke beschädigt. Das Team
nahm die Fährte auf und verfolgte sie in südlicher Richtung entlang
der Brandenberger Ache. Im Laufe des Tages wurde der Bär zweimal von
einem Hund gestellt, konnte jedoch immer wieder ausbrechen. Gegen 20
Uhr hat ein Teil des Teams den über 20 stündigen Einsatz beendet;
der Rest blieb vor Ort.
| Die offensive Belästigung durch
Medienvertreter, die sich Zugang ins Fang-Gebiet verschafften,
hat das Bärenfangteam verärgert und behindert. Es wird aus
gegebenem Anlass nochmals dringend gebeten, das Team ungestört
arbeiten zu lassen, um den Fang nicht zusätzlich zu
erschweren. |
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Dienstag, 20.06.2006
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In der Nacht auf Dienstag wurden bisher keine neuen
Bärensichtungen oder - schäden gemeldet.
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Montag, 19.06.2006
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JJ1 wurde um 07:10 Uhr am Schildenstein (südl. Kreuth) von einem
Jäger gesichtet. Gegen 07:45 Uhr wurde die Bäreneinsatzgruppe von
der Polizei Bad Wiessee alamiert und setzte sich sofort in Bewegung.
Die Hunde konnten in dem Berggebiet die Fährte des Bären schnell
aufnehmen, außerdem wurden Trittsiegel gefunden. In dem felsigen
Südhang hielt sich die Fährte aufgrund der hohen Temperaturen nur
wenige Minuten - die Spur war "vedunstet", so dass die Hunde sie
verloren. Daher wurde die Suche ausgedehnt und später ein weiteres
Trittsiegel am südlichen Unterhang (bereits in Tirol) gefunden.
Dennoch war es nicht möglich den Bären aufzuspüren, so dass die
Aktion gegen 15:30 Uhr zunächst beendet wurde. Am Abend suchte das
Team das Gebiet mit Unterstützung zweier Berufsjäger der
Österreichischen Bundesforste erneut ab. Der Bär tauchte jedoch
nicht mehr auf. Nach Einbruch der Dunkelheit beendete das Fangteam
nach 16 Stunden seinen Einsatztag. Im Laufe des Tages wurden dem
Bärenteam eine Reihe von Schäden gemeldet, die der Bär in Kreuth in
der Nacht zum Montag (19.06.2006) angerichtet hatte.
Es ergibt sich folgende Bilanz:
- 2 gerissene und 3 verletzte Schafe
- 2 beschädigte Bienenstöcke
- 2 beschädigte Siloballen (Heu)
- 1 zerstörter Gartenzaun direkt an einem Haus am Ortsrand von
Kreuth
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Berichte
der 24. Kalenderwoche Berichte
der 23. Kalenderwoche |
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