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Das Fasspichen
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Ein Braumeister erinnert sich an die schweißtreibende Knochenarbeit
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Wenn das Holzfass «schweißte», war es Zeit zum Pichen
In Süddeutschland sind noch viele Bier- und Brautraditionen lebendig. Während der eigentliche Brauprozess derselbe geblieben ist, erleichtern moderne Maschinen und Materialien die einzelnen Arbeitsschritte Bier zu brauen. Handwerkskunst ist in der Regel kein körperlicher Kraftakt mehr. Noch vor wenigen Jahrzehnten dagegen galten nicht nur Wissen und Fingerspitzengefühl, sondern auch pure Muskelkraft. Diese war auch dann besonders gefragt, wenn der Braumeister ärgerlich feststellte
"Die Fässer schweißen!". Wurde die Pechschicht im Fassinneren rissig, rauh oder undicht, konnten sich Bakterien festsetzen und das Bier verderben. Deshalb kontrollierte der Braumeister vor dem Abfüllen des frisch gebrauten Bieres alle Fässer. Entdeckte er schadhafte Stellen in der Pechverkleidung, setzte er einen Pichtag an. An diesem Tag waren vom Lehrling bis zum Braumeister jeder Mann gefordert und jeder hatte eine spezielle Aufgabe.
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«Schwanken» und «Drehen», bis das Fass dicht war
Am Pichtag wurde der Koksofen geschürt, der Pechkessel aufgesetzt und das Feuer geheizt, bis sich Glut bildete. Dann führten die Gesellen einen kalten Luftstrom in den Ofen. Die heiße Luft, die daraufhin durch die Hörner des Koksofens ausströmte, leiteten sie durch das Spundloch ins Fass, bis sich das alte Pech verflüssigte und auslief. Inzwischen war das frische Pech im Kessel heiß. Die Gesellen füllten einige Liter Pech in das Fass, nahmen es vom Ofen und verschlossen es mit einem Holzkorken. Dann «schwankten» sie das Fass, drehten, wendeten und schüttelten es also, damit sich das flüssige Pech im Inneren des Fasses gleichmäßig verteilte. Schließlich legten die Lehrlinge zwei Stangen auf Böcke, stemmten das Fass darauf und drehten es mehrere Minuten lang ganz langsam, während das Pech trocknete. Die Pechschicht musste sehr dünn sein, sonst stimmte die Füllmenge des Fasses bei der nächsten Eichung nicht mehr. Sofort nach dem Drehen wurde kaltes Wasser in die Fässer gefüllt, damit die Pechschicht keine Sprünge und Risse bekam. Nach zwei bis drei Stunden wurde das Wasser wieder abgelassen. Das Pichen war beendet und die Holzfässer kamen zur Reinigung und zur Abfüllung in die «Fasswichs», dem Raum zur Reinigung der Fässer.
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Frisch gepicht - ein Gedicht!
"Ein Bier aus einem frisch gepichten Fass ist ein Gedicht", schwärmt Braumeister Alfred Schneele. Das neue Pech, ein bisschen kommt der Holzgeschmack durch, gab dem Bier einen unglaublich frischen Geschmack. Von 1952 bis 1999 arbeitete der Brauer und Mälzer in einem schwäbischen Brauhaus. Als Lehrling drehte er am Pichtag die Fässer, später war er für das Schwanken der Fässer verantwortlich. Damit führte er die Oberaufsicht und übernahm die schwierigste Aufgabe. Mit einem Hammer schlug er nach dem Füllen mit Pech den Holzpfropfen aus den Fässern. Durch den hohen Druck im Fass konnte es vorkommen, dass der Pfropfen bis zu zehn Meter weit aus dem Fäss schoss, gefolgt von heißem Pech. Sprichwörtlich "Pech" hatte der Pichtrupp auch, wenn im Koksofen Pech über den Kesselrand floss und in die Glut tropfte. Dann schossen Stichflammen empor, die nicht mit Wasser gelöscht werden konnten, sondern mit Rupfensäcken erstickt werden mussten. Auch auf die ideale Temperatur des Pechs von 120° bis 140° Celsius mussten die Brauer beim Erhitzen achten. War das Pech zu heiß, wurde es dunkel, erinnert sich Braumeister Alfred Schneele. Am besten war eine helle, braune Farbe. Das sah schöner aus und gab dem Bier auch einen besseren Geschmack.
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Fließbandarbeit im Brauereihof
An den Pichtagen leistete die Brauereimannschaft regelrecht Fließbandarbeit. In einer Stunde pichten Alfred Schneele und seine Kollegen im Hof der Brauerei bis zu 50 kleinere Transportfässer mit 30 bis 100 Litern Volumen oder zehn große Lagerfässer mit 40 bis 50 Hektolitern Fassungsvermögen. Pro Tag insgesamt rund 200 Fässer. Heute pichen nur noch wenige Brauereien, die ihre Biere für besondere Anlässe in Holzfässer abfüllen. Nach der weitgehenden Abschaffung der Holzfässer experimentierten die Brauereien vorübergehend mit Eisenfässern; doch sie bewährten sich nicht, da sie rosteten. Seit den 1970er Jahren verwenden die Brauer überwiegend Fässer aus Edelstahl oder Aluminium. Diese modernen Fässer sind einfacher zu reinigen und damit auch kostengünstiger. Und obwohl die süddeutschen Brauereibetriebe tief in ihren Traditionen verwurzelt sind, trauert den Pichtagen keiner nach, der je mit dem glühend heißen Pech arbeiten musste. Nur den anschließenden Umtrunk würde jeder gerne noch einmal genießen. Dieser einzigartige Geschmack von Bier aus einem frisch gepichten Fass blieb übrigens allein den Brauern und ihren Mitarbeitern vorbehalten. Bis das Bier zum Ausschank kam, war das besondere Holz- und Pecharoma bereits verflogen. Und die Gäste ließen sich schmecken, was ihnen auch heute immer wieder aufs Neue mundet, frisches und reines Bier mit seinem ureigenen, unverfälschten und
vielfätigen Geschmack.
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Quelle:
Bayerischer Brauerbund
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Büttnermeister Anton Hofmann erklärt einem Museumsbesucher das Fassmachen
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